Das Unsichtbare sichtbar machen - was das Druckbild am Sattel wirklich verrät
- Jonas

- 14. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Auf den ersten Blick passt oft alles. Die Sattelhöhe ist korrekt eingestellt, die Sitzposition wirkt ruhig, das Rad fühlt sich stimmig an. Genau an diesem Punkt endet häufig ein klassisches "Sizing" und genau hier beginnt "Bikefitting" im eigentlichen Sinn.
Denn Radfahren ist Bewegung. Und was optisch gut aussieht, kann sich unter Belastung ganz anders verhalten.

Warum fühlt sich eine Sitzposition oft gut an, obwohl sie es nicht ist?
Viele Fahrer sitzen scheinbar "gut" auf dem Rad. Trotzdem zeigen sich im Fahralltag häufig diffuse Probleme: Druck am Sattel, einseitige Belastung oder das Gefühl, nie richtig ruhig zu sitzen.
Der Grund dafür liegt oft nicht in der Sattelhöhe oder einer offensichtlichen Fehlstellung, sondern in der Art, wie sich Druck und Belastung während des Tretens verteilen. Diese Zusammenhänge sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, lassen sich aber messen.
Was ist der Unterschied zwischen Sizing und Bikefitting?
Beim Sizing wird das Rad anhand von Körpermaßen, großer vorhandener Datenmengen und Erfahrungswerten eingestellt. Das schafft eine gute Ausgangsbasis, bleibt aber standardisiert.
Im Bikefitting geht es einen Schritt weiter. Mich interessiert nicht nur, wie jemand sitzt, sondern wie Druck entsteht und wie er sich im Bewegungsablauf verändert.
Mit der dynamischen Satteldruckmessung von Gebiomized analysiere ich unter anderem:
den maximalen Druck
die Balance zwischen rechter und linker Seite
die Symmetrie des Druckbildes
den Kraftangriffspunkt im Bewegungszyklus
sowie die Beckenrotation
Diese Parameter lassen sich nur in Bewegung sinnvoll beurteilen.
Was zeigt eine dynamische Satteldruckmessung wirklich?
Die Gebiomized-Druckmessung erfasst den Druck am Sattel über den gesamten Tretzyklus hinweg. Nicht als Momentaufnahme, sondern dynamisch.
Gerade diese Dynamik macht den entscheidenden Unterschied, denn Probleme entstehen selten durch einen einzelnen Punkt, sondern durch wiederholte, einseitige Belastung über Zeit.
Was bedeutet ein symmetrisches Druckbild am Sattel?
Symmetrie bedeutet im Bikefitting nicht, den Körper „gerade zu machen“. Kein Mensch ist perfekt symmetrisch und das ist auch nicht das Ziel.
Gemeint ist ein funktional ausgewogenes Druckbild:
möglichst gleichmäßige Druckverteilung rechts und links
stabile Balance
ein ruhiger, reproduzierbarer Kraftangriffspunkt
reduzierte Beckenrotation
Der Sattel soll tragen und stabilisieren - nicht einseitig belasten.
Wie lassen sich asymmetrische Druckbilder im Bikefitting verändern?
Ein Praxisbeispiel: Bei einer Kundin zeigte die Messung einen deutlich sichtbaren Druck fast ausschließlich auf der rechten Sattelseite. Die Balance war verschoben, der Kraftangriffspunkt instabil und recht weit vorne in Richtung Sattelspitze, die Beckenrotation entsprechend ausgeprägt.
Durch kleine, gezielte Anpassungen, eine leichte Veränderung der Sitzhöhe, die Ausrichtung des Lenkers und eine saubere Einstellung der Cleats, konnten wir:
die Balance zwischen rechts und links deutlich verbessern
ein symmetrischeres Druckbild herstellen
den Kraftangriffspunkt stabilisieren und etwas nach hinten verschieben
und die Beckenrotation reduzieren
Im Messbild wirkte der Druck anschließend auf den ersten Blick höher.

Wenn du selbst "Probleme" hast oder auch bei allen anderen Fragen zum Thema Fahrrad und Fitting, melde dich gerne direkt bei mir!
Warum fühlt sich ein gleichmäßiger Druck oft komfortabler an?
Das Ergebnis: Der augenscheinlich höhere Druck wird nicht als unangenehm wahrgenommen, sondern als stabil, ruhig und deutlich komfortabler.
Durch die gleichmäßige Verteilung übernimmt der Sattel wieder mehr Tragarbeit. Der Fokus liegt nicht mehr auf dem Sitzen selbst, sondern darauf, Kraft sauber und effizient aufs Pedal zu bringen.
Die Beinmuskulatur muss weniger kompensieren, Spannung wird reduziert und der Tritt fühlt sich leichter und kontrollierter an.

Warum endet Bikefitting nicht am Rad?
Ein gutes Fitting schafft die richtigen Voraussetzungen doch der Körper bleibt ein zentraler Faktor.
Regelmäßige Mobilisation, gezieltes Krafttraining zum Ausgleich von Dysbalancen und Dehnen gehören genauso dazu, wenn man langfristig beschwerdefrei und leistungsfähig fahren möchte.
Bikefitting ist für mich deshalb kein isolierter Eingriff, sondern Teil eines ganzheitlichen Verständnisses von Bewegung.
Was lässt sich aus dem Druckbild langfristig ableiten?
Ein gutes Sizing bringt dich auf das Rad. Ein Fitting mit dynamischer Druckmessung sorgt dafür, dass du ruhig, ausgewogen und reproduzierbar darauf sitzt.
Nicht perfekt. Aber funktional....na gut, am Ende hoffentlich auch "perfekt"... :D
Und genau diese Ruhe im System macht langfristig den Unterschied.



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